06.04.11 22:27
Von: David Hinkel

Test: Crysis 2

Lange war Crysis das Non plus Ultra der Ego-Shooter und auch wenn die Konkurrenz nicht schlief, blieb der erste Teil der Serie dank CryEngine 2 lange Zeit ganz weit oben. Crysis 2 wurde mit Begeisterung erwartet, aber schafft es Crytek erneut die Qualitäts-Messlatte derart hoch zu legen und ein weiteres Meisterwerk abzuliefern?


Wo ist mein Nanosuite?

Ähnlich wie im ersten Teil befinden wir uns beim Start der Kampagne kurz vor dem Beginn einer Rettungsaktion, diese mal an Bord eines U-Boots, welches Kurs auf New York nimmt. Keine Spur vom Nanosuite aber dank der letzen Nacht hat unser Marine Alcatraz einen dicken Schädel vom Tequila. Plötzlich wird das U-Boot angegriffen, wir müssen Hals über Kopf vom sinkenden Schiff entkommen und finden uns kurz darauf im Wasser wieder, während wir von einem unbekannten Objekt beschossen werden. Kaum Zeit um zu begreifen was auf einmal los ist, steht bewaffnet mit einem schweren MG unser Retter vor uns. Das ist ja unser Nanosuite. Während wir in Ohnmacht fallen, bringt uns der bis dahin unbekannte Träger in Sicherheit.

Kurz darauf befinden wir uns in einer kleinen Lagerhalle nur dass wir, Alcatraz, auf einmal der Träger des Nanosuite sind. Crysis 2 kann beginnen. Unser Held, wenn man ihn überhaupt so nennen darf, ist leider eher stumm. Er meldet sich nämlich im gesamten Spiel nicht einmal zu Wort. Es ist eher der Nanosuite an sich, welcher die Schlüsselfigur des Spiels bildet. An sich sind die Nebenfiguren jedoch sehr gut in Szene gesetzt und entsprechen den eher üblichen Stereotypen des Aliens-Wollen-die-Menschheit-Ausrotten-Genres, welches Crysis 2 jedoch solide zu verkaufen weiß.

Grafisch ein Traum

Grafisch war bereits der erste Teil von Crysis der Taktgeber in Sachen High-End-Graphics und wurde bis heute als Referenz für neue Spiele dazu gezogen, doch jetzt ist sein Nachfolger da, und er ist meisterhaft. Auch wenn es in Crysis 2 einen kompletten Szenenwechsel in ein wunderbar zerstörtes New York gibt weiß die CryEngine 3 mit wunderschönen Aussichten auf die Trümmer einer Großstadt mit eingefallenen Bürogebäuden, Freeways und allerlei, uns zu verzaubern. Einziges Manko, genau wie beim ersten Teil benötigen wir für den vollen Genuss natürlich ordentlich Rechenpower. Man sollte Crysis 2 also beim Kauf einer neuen Grafikkarte als Argument mit einbinden.

Denn der Blick, der sich mir nach den ersten einführenden fünf Minuten nach Passieren eines Tores, welches mir anscheinend sagen möchte, dass es jetzt erst richtig los geht, ist zumindest der Kauf des Spiels schon mal wert. Denn allein dieses Bild, von der Sonne geblendet, der erste Blick auf ein im Krieg befindliches New York lässt mich wissen, dass ein grafisch brillantes Abenteuer beginnen kann.

Schade ist nur: Die wunderschöne hochauflösende Welt hat zwar wunderbar etwas zu bieten, die Videosequenzen zwischendurch sind jedoch sowas von krümelig, dass ich mich in die 90er Jahre zurück katapultiert fühle.

Weniger ist mehr

Das Tolle an Crysis ist und bleibt der Nanosuite. Auch wenn es im ersten Teil die Idee war via Tastendruck mehr Panzerung, Geschwindigkeit, Kraft oder Tarnung zu aktivieren, haperte es an der Bedienung, denn in hektischen Situationen konnte es schon mal fummelig werden. Dieses Problem haben wir in Crysis 2 nicht, denn der Anzug wurde total entschlackt und einige Funktionen automatisiert. Via Tastendruck lassen sich nun nur noch der Tarnmodus und die verbesserte Panzerung einschalten, dabei hat man darauf geachtet, die dafür benötigten Tasten in dementsprechendem Aktionsspielraum auf der Tastatur zu platzieren. Die Automatisierung der anderen Fähigkeiten sieht so aus, dass sobald ich anfange zu sprinten, vorhandene Energie auch für eine erhöhte Geschwindigkeit genutzt wird. Was die zusätzliche Kraft angeht, gibt es eine ähnlich intelligente Lösung, sobald ich einen Sprung oder Nahkampf-Aktion ausführe, kann ich bei genügend vorhandener Anzugenergie die dazugehörige Taste einfach länger drücken, und es wird automatisch ein Mega-Tritt oder Sprung ausgeführt oder die Möglichkeit einen Gegner zu greifen, erschließt sich mir ebenfalls nur, wenn ich genug Energie zur Verfügung habe.

Hauptargument für die Änderungen um das Augenmerk auf Tarnung und Panzerung wird jedoch nicht die problematische Steuerung gewesen sein, sondern auch dass sich das Spieledesign vorzugsweise an diesen beiden Fähigkeiten orientiert. Bin ich lieber der leise Schattenkrieger und agiere aus dem Hinterhalt oder ballere ich mich wild durch ein Gebiet, bis ich mein Ziel erreicht habe oder wechsle ich mal eben kurz meine Strategie, es ist alles möglich. Crysis 2 bietet dem Spieler eine riesig große Entscheidungsfreiheit, auch wenn manchmal das Leveldesign nicht ganz so groß und offen ausfällt wie beim ersten Teil ist, wird uns eine erstaunliche Individualität innerhalb der Levels geboten.


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