Von: Marco Schultewolter
09.01.08 23:16

Test: Recht für Software- und Webentwickler




„Wichtige juristische Themen zur Software- und Webentwicklung verständlich aufzubereiten – das ist mein Anspruch“, so heißt es auf der Rückseite des Buches von Autor Dirk Otto. In der Tat ist es so, dass Programmierer sich in der Regel nicht sonderlich gut im Dschungel der Juristen auskennen. Dirk Otto möchte sich folglich als verständliches Bindeglied zwischen Paragraphen und Quellcode versuchen.

„Recht für Software- und Webentwickler“ ist in 4 wesentliche Teile strukturiert. Der erste Teil behandelt die Arten, wie man seine Software schützen kann bzw. wie sie eventuell automatisch geschützt wird.

Der Teil beginnt zunächst mit einer kurzen Einleitung, die man als Nicht-Jurist auch nicht überspringen sollte, da sie wichtige Fachtermini vorab erklärt. Unter anderem, was der Jurist überhaupt unter dem Begriff „Software“ versteht.

Gleich danach folgt ein Kapitel, das sich ausführlich mit dem Urheberrecht (dem Copyright) auseinandersetzt. Hier beschreibt der Autor nicht nur, was es ist und in welchem Umfang dieser Schutz genutzt werden kann, sondern auch was passiert, wenn es zu Verletzungen des Copyrights (den allseits bekannten Urheberrechtsverletzungen) kommt.

Ein weiteres Kapitel widmet sich den Softwarepatenten, welche von den Urheberrechten zunächst definitionsmäßig abgegrenzt werden. Neben den Voraussetzungen für Patente geht das Buch auch auf die Anmeldung und Verwendung ein.

Nach einigen weiteren nicht ganz so umfangreichen Themen (wie z.B. dem Markenschutz) beginnt der 2. Teil des Buches. In diesem Teil erklärt Otto – wie der Titel schon sagt – „Alles über Verträge“. Mit dem Begriff „alles“ hat der Autor nicht einmal zu hoch gegriffen. Einleitend wird der Leser hier in die Planungsphase eingewiesen. Von der Beratung über das Pflichtenheft bis zur Dokumentation ist hier alles dabei – alles aus juristischer Sicht natürlich. Der Rest ist eine gelungene und ausführliche Hilfestellung beim Verfassen des ersten eigenen Softwarevertrags. Was gehört zwingend hinein? Was wird häufig vergessen?

Am folgenden dritten Teil des Buches ist auch gleichzeitig der Schwerpunkt des Buches erkennbar, denn er ist der längste Teil. Über fast 100 Seiten erstreckt sich der Teil über die Selbstständigkeit. Autor Dirk Otto greift nicht nur bei dem Weg in die Selbstständigkeit unter die Arme, sondern erläutert selbst juristische Stolpersteine beim Vertrieb der Software (wobei er sich hier leider nur auf den Download als Vertriebsform beschränkt).

Auch die Eigenschaften, sowie die Vorzüge und auch die Nachteile von Open-Source-Lizenzen werden hier recht detailliert beschrieben.

Neben den Versicherungen für Selbstständige wird sogar geklärt, wie man sich nach Außen darstellen darf. Unternehmensname, Domain und Werbung sind hier nur einige Stichwörter.

Selbstständig sein hat automatisch den Nebeneffekt, mehr vom Thema Steuern betroffen zu sein. Diesem Problem widmet sich der vierte und letzte Teil des Buches. Hier sollte man grade bei Themen wie Freibeträgen etc. auf den Rat eines Steuerberaters jedoch auf keinen Fall verzichten, vor allem weil ein Buch in diesem Bereich schnell altert.

Zuletzt folgt eine umfangreiche Anhangs-Sammlung mit Checklisten, Musterverträgen und Lizenz- und Gesetzestexte, die beinahe 200 Seiten umfasst. Die Musterverträge sollte man zwar nicht 1:1 übernehmen, doch sie bieten einen guten Anhaltspunkt, um seine eigenen Verträge zu gestalten.

Alles in Allem merkt man, dass der Autor fundierte Sachkenntnis auf diesem Gebiet hat. Auf Fallstricke und Dinge, die gern vergessen und schnell zum Verhängnis werden, weist er mithilfe seiner beruflichen Erfahrung hin. Ferner stolpert man immer wieder über Tipps des Rechtsanwaltes um späteren juristischen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Am Ende jedes abgeschlossenen Themas fasst Dirk Otto die Inhalte noch einmal kurz zusammen oder zieht ein Fazit des Gesagten.

Wer ein ausschließlicher Webentwickler ist, der greift mit diesem Buch – trotz des eindeutigen Titels – vermutlich nicht ganz in die perfekte Richtung. Von Webanwendungen im speziellen ist im Buch nämlich nichts zu finden. Vieles ist zwar natürlich übergreifend hierfür verwendbar, doch hier verbreitet der Titel einen Irrglauben.

Webdesigner sind sowieso vermutlich mit dem Werk „Recht für Grafiker und Webdesign“ des gleichen Autors zurückgreifen, welches im selben Verlag erschiene

Fazit

Mit 49,90 € ist der Preis dieses Werkes für Hobby- und Gelegenheitsprogrammierer ziemlich hoch. Da der Schwerpunkt bei der Selbstständigkeit liegt, ist der gebotene Inhalt im Bezug zum Preis für diese Gruppen auch beinahe Mager, da man sich Informationen über das einem zustehende Urheberrecht etc. mit ein wenig gutem Willen auch auf günstigere Art und Weise beschaffen kann. Spielen Sie allerdings mit dem Gedanken, sich mit der Softwareentwicklung in die Existenzgründung zu wagen, dann sollten Sie ebenfalls mit dem Gedanken spielen, auch die Investition für dieses Buch zu tätigen.

Wenn man den Weg in die Selbstständigkeit wagen möchte, ist dieses Buch sicherlich eines, das man gelesen haben sollte. Mit diesem fundamentalen Wissen ist es auch in Zukunft leichter, sich Neuerungen in den Gesetzen (besonders bezogen auf den Steuern-Teil) anzueignen.

Den Gang zum Rechtsanwalt oder Steuerberater erspart das Buch sicherlich nicht, doch es bietet einen guten und teils recht detaillierten Überblick über die aktuelle Situation in Sachen Recht. Da jedoch auch dieser Bereich ziemlich schnelllebig ist, erschien bisher jährlich eine neue aktualisierte Ausgabe.


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