Von: Melvin Prasse
29.03.10 19:04

Test: Battlefield - Bad Company 2

Mit "Battlefield - Bad Company 2" kehrt einer der weltweit erfolgreichsten Ego-Shooter Titel endlich wieder auf den PC zurück - und das anscheinend zu Recht. Denn bereits kurz nach dem Release wurden mehr PC-Versionen verkauft, als Xbox 360 und Playstation 3 zusammen. Auch trifft man bereits jetzt mehr Spieler im Multiplayer an, als damals zu Zeiten von Battlefield 2. Warum das so ist, wollen wir uns jetzt mal genauer ansehn.




Aus zwei mach eins

Mit seinem letzten Auftritt durch "Battlefield – Bad Company" sicherte sich das Entwicklerteam DICE nicht grade die Zustimmung bisheriger Battlefield-Fans. Denn dieser Teil erschien ausschließlich für Konsolen und war nur im Singleplayer spielbar. Dafür bekamen die Spieler allerdings auch zum ersten Mal eine echte Story geboten.

Warum also nicht eine Fortsetzung von "Bad Company", in der sowohl ein Single- als auch Multiplayer enthalten sein soll? Und genau so geschah es dann auch: Endlich können sich Battlefield-Veteranen wieder auf jede Menge Actionspektakel auf dem Schlachtfeld freuen, und dieses Mal in noch nie dagewesenen Maßstäben.

 

Auf Deckungssuche

Wir rennen in ein Haus und klettern auf den Dachboden, um gute Sicht auf die Feinde zu bekommen. Oben angekommen stellen wir fest: zu hohe Fenster, zu klein noch dazu – also keine Schießscharte vorhanden. Na und? Wir machen uns eine! C4 – *klick* – *boom* – tada: freies Sichtfeld auf die Karte.

Das wohl Schönste an "Battlefield – Bad Company 2" ist die neue Frostbite-Engine, welche dem Spieler ab sofort erlaubt, sämtliche Gebäude in Schutt und Asche zu legen. Ganz egal, ob Granate, Rakete oder mit dem Panzer; irgendwann fällt alles in sich zusammen. Da kann man sich nicht mal eben hinter ein paar Kisten eine Verschnaufpause gönnen und warten, bis das regenerative Gesundheitssystem anspringt. Ein lauter Knall und weg ist die Deckung. Sicherheit – zumindest für den Moment – bietet hier nur ein Metallzaun oder schwer gepanzertes Fahrzeug.

Die vier beliebten Klassen "Sturmsoldat", "Pionier", "Sanitäter" und "Aufklärer" sind auch dieses mal selbstverständlich wieder mit von der Partie und sorgen für ein erstklassiges Spielerlebnis im Multiplayer. Grade durch die Möglichkeit gefallene Kameraden zu reanimieren, bedürftige Mitstreiter mit Munition und Verbandszeug zu versorgen, sowie die große Anzahl an verfügbaren Fahrzeugen (Quads, Kampfhubschrauber, Panzerfahrzeuge, etc.), hebt sich "Battlefield" ab von anderen Shootern und bietet einen gewaltigen Spielraum für Taktik und Strategie.

 

Maps, Mods und mächtig Motivation

Da es im Spiel hauptsächlich darum geht, die Runde durch Zusammenhalt und jede Menge Rückendeckung als Team zu gewinnen, und nicht als Einzelner die meisten Gegner auszuschalten, sollte man sich um ein kompetentes Team kümmern. Hierfür sorgt unter Anderem eine integrierte Freundesliste, über welche mit einem Klick dem Server und Squad des jeweiligen Freundes beigetreten werden kann. Alternativ dazu bietet die Schaltfläche "Jetzt spielen" die Möglichkeit, unmittelbar nach Auswahl von Spielmodus und Karte direkt mit einem passenden Server verbunden zu werden.

Im Spiel selbst hat man die Wahl zwischen vier unterschiedlichen Spielmodi:

  • Rush: Hier müssen jeweils zwei Funkstationen verteidigt, bzw. zerstört werden – und das ganze bis zu vier mal nacheinander.

  • Eroberung: Dieser Modus aus bisherigen Battlefield-Teilen bekannt sein. Auf der Karte befinden sich einige Flaggen, die erobert und gehalten werden müssen, um die Tickets der Gegner zu reduzieren. Anders als bei den Vorgängern sind nun immer Einstiegspunkte für Spieler verfügbar, nicht nur am jeweiligen Flaggenpunkt.

  • Squad-Rush: Hier herrscht das gleiche Prinzip wie bei "Rush". Allerdings ist das Spielermaximum begrenzt auf acht: also Squad gegen Squad. Taktik ist gefragt!

  • Squad-Deathmatch: Vier Squads, ein Fahrzeug und jede Menge Action! Alle vier Squads treten auf einer begrenzten Map gegen einander an. Wer zuerst 50 Kills erziehlt, gewinnt.

Mehr als genug Platz für den ganzen Spielspaß bieten insgesamt zehn Karten. Diese reichen von Schauplätzen wie Dschungel bei Nacht, über Industriegebiete, bis hin zur staubigen Wüstenlandschaft. Hier wird einmal mehr deutlich, wie Abwechslungsreich das Spielgeschehen ist:

Während zahlreiche Panzer und Humvees zu Beginn der Runde den staubigen Wüstensand aufwirbeln lassen, geht es im nächsten Bereich direkt zum Häuserkampf inmitten einer Stadt über. Oder aber man kämpft sich durch grünstes Dschungeldickicht, umgeben von verschiedensten Pflanzen, und während man noch die Landschaft genießt, springt auch schon der nächste Gegner hinterm Baum hervor.

 

Doch was wäre ein ordentliches Scharmützel ohne das nötige Equipment?


Für jeden ausgeschalteten Feind oder die Hilfe dabei, jeden mit Verbandszeug oder Munition versorgten Kameraden, jede Reperatur, Flaggeneroberung oder -verteigidung, Doublekill, Triplekill, Kopfschuss – für einfach alles erhält der Spieler während einer Runde Punkte. Je nach gespielter Klasse werden somit Upgrades in Form von neuen Waffen, Gadgets und Boni freigeschaltet. Auch gibt es gesonderte Aufwertungen für Fahrzeuge wie z.B. erhöhte Panzerung oder verkürzte Ladezeit. Insgesamt ganze 90 Verbesserungen erwarten den Spieler. Mal abgesehen von jeder Menge Auszeichnungen in Form von Ehrennadeln für besondere Errungenschaften. Außerdem erhalten sämtliche Waffen Bronze-, Silber-, Gold- und Platinsterne für eine bestimmte Anzahl von Ausschaltungen. Das sorgt nicht nur für eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten von Waffen und Verbesserungen, sondern auch für jede Menge Motivation, seinen Soldaten voranzubringen.

 

"Ich schieb dir dein Karma dahin, wo keine Sonne scheint!"

Geht im Multiplayer noch mächtig die Post ab, kommen wir nun zum etwas ruhigeren Singleplayer.

Hier schlüpfen wir ich die Rolle von Preston Marlowe. Als Rekrut der "B – Company", alias "B(ad)-Company", kämpfen wir nun an der Seite von Sarge, Squadleader der B – Company, Sweetwater, Spezialisten für Technik, Kommunikation und Tollpatschigkeit, und dem alles andere als stillen Sprengstoffexperten Haggard.

Die Storyline des Singleplayers spielt in einer fiktiven Parallelwelt, in der Russland einen dritten Weltkrieg mit den USA führt. Als Squad von vier Sodaten, exklusive dem pazifistischen Piloten Flynn, seid ihr nun einer Russischen Geheimwaffe auf der Spur und kämpft euch durch Dschungel, Wüsten, Eislandschaften und jede Menge Gegner.

Als Anreiz wird vor jeder Mission eine Waffe angegeben, die es zu suchen gilt, um Trophäen einzuheimsen und sein Arsenal zu erweitern. Auch sprechen zahlreiche Zwischensequenzen im Spiel für sich und sorgen für ein gewisses Etwas.

Doch während durch Vielfalt an Upgrades und Auszeichnungen die Motivation im Multiplayer vorangetrieben wird, so erlebt man im Singleplayer zeitweise Momente der Lustlosigkeit, in denen man nur schwerfällig weiterspielen kann. Für Aufheiterung sorgen hier nur die sarkastischen Sprüche der Squadmitglieder, die euch zusammen mit zahllosen Kugeln um die Ohren fliegen. Ansonsten wirkt das Spielgeschehen leider eher etwas träge.

 

 

Bad (Bug) Company?

Wer sich jetzt fragt, wo bei so viel Lob der Haken ist, der hat nicht ganz Unrecht. Möchte man Battlefield nämlich im Multiplayer genießen, so ist man zwangsläufig auf den EA Masterserver angewiesen. Und der hatte bis jetzt so einige Probleme. So war es zeitweise, unter Anderem unmittelbar nach dem Release, fast unmöglich, einem Server beizutreten, bzw. nicht von diesem gekickt zu werden, sobald man verbunden war. Es gibt so einige mehr oder wenig kleine Ärgernisse im Spiel, die einem von Zeit zu Zeit so richtig die Laune verderben können. Ein Beispiel? Beim Versuch auf den Server eines Mitspielers aus der Freundesliste zu joinen, stellt man fest, dass man unwillentlich im Hintergrund ausgeloggt wurde. Man wechselt zum Hauptmenü, loggt sich erneut ein und probiert das ganze von vorn – mit dem gleichen Ergebnis: man wird wieder ausgeloggt. So entsteht ein nervenraubender Teufelskreis, der sich nur durchbrechen lässt, indem man sich für einen anderen Server entscheidet.

EA hat den Masterserver mittlerweile ein paar Mal heruntergefahren um Verbesserungen vorzunehmen, unter Anderem um die Hardware des Servers auszutauschen.

Durch mehrere Patches sind die meisten Verbindungsprobleme nun behoben worden und Battlefield – Bad Company 2 ist fast problemlos spielbar.

Doch auch im Spiel selbst gibt es einige Mänkel, die einen aus der Haut fahren lassen können. Wenn man beispielsweise einen Messerangriff ausführt, sogar bereits das Geräusch des Treffers zu hören ist, der Gegner jedoch nicht stirbt, sondern stattdessen den Angreifer ausschaltet, kann das durchaus mal einem sowieso schon angespannten Spieler den Rest geben.

 

Grafik/Sound

Dank der Frostbite-Engine punktet "Battlefield – Bad Company 2" auch in Sachen "Grafik". So werden Charaktermodelle und Waffen erstaunlich detailliert dargestellt. Die unterschiedlichen Terrains wirken ebenfalls sehr lebendig. Untermalt wird dieses Panorama noch zusätzlich durch beeindruckende Schatten- und Lichteffekte, die besonders in Dschungelgebieten ihre volle Pracht entfalten und zur wahren Augenweide werden. Die großartige Weitsicht sorgt ihrerseits dafür, dass sich dieser Ablick über den gesamten Bildschirm erstreckt und auch auf Distanz zu genießen ist.

Einbußen muss die Grafik nur vereinzelt hinnehmen. Unter Anderem sieht der Boden zu unseren Füßen sehr matschig aus und verfügt über keinerlei Struktur, gleich einem Flickenteppich. Jedoch halten sich die Ecken und Enden in Grenzen, an denen grafisch etwas verbessert werden müsste. Um allerdings in den Genuss Ansehnlichkeiten zu gelangen, braucht man einiges an Leistung. Das Spiel setzt ganz schön hohe Anforderungen. So ist als empfohlene Grafiklösung bereits eine GTX 260 gelistet, als Prozesser wird ein Quadcore benötigt. Hier werden also einige Fans ihre Rechner wohl aufstocken müssen.

Im Gegensatz zu sämtlichen Minuspunkten von "Battlefield – Bad Company 2" steht der atemberaubende Sound. Verfügt man über ein entsprechendes Soundsystem, sollte man besser alle losen Gegenstände beiseite stellen. Denn hier kommt ein wahrer Hochgenuss.

Während des Spiels sind nur echte Sounds zu vernehmen. Das heißt, alle von Spielern abgegebenen Schüsse sind überall auf der Karte zu hören – und nur diese. Sämtliche Sounds klingen so extrem realistisch, dass man allein deshalb vollkommen in die Schlacht eintaucht: Ein nie dagewesener Maßstab an Klangqualität und Realismus, ein absolutes Hörvergnügen!

 

Fazit

Während der Singleplayer nicht wirklich zu überzeugen weiß, so hält sich der Multiplayer von "Battlefield – Bad Company 2" ganz oben auf der Bestenliste und wird allen Ansprüchen gerecht. Durch umwerfenden Sound, ansehnliche Grafik und jede Menge Zerstörungsmöglichkeiten durch die Frostbite-Engine wird das Spiel hier zum einzigartigen Actionerlebnis. Die aufgebrachte Arbeit für den Singleplayer sollte DICE allerdings künftig vielleicht lieber ebenfalls in den Multiplayer investieren, um diesen noch schmackhafter zu gestalten.

"Battlefield – Bad Company 2": ein Muss für alle Battlefield-Veteranen – und alle anderen Liebhaber guter Taktik- und Ego-shooter.


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