Von: Melvin Prasse
23.12.09 18:42

Test: Dragon Age Origins

Electronic Arts, welche sich nicht nur durch "Need for Speed" bereits einen großen Namen auf dem Spielemarkt gemacht haben, erweitern den in letzter Zeit eher tristen Spielemarkt um einen bereits im Vorherein groß gelobten Rollenspiel-Epos. Zusammen mit dem kanadischen Spieleentwickler Bioware, der bereits in bekannten Spielen wie "Baldurs Gate", "Neverwinter Nights" und "Mass Effect" seine Vorliebe für das RPG-Genre zum Ausdruck brachte, schufen sie ein Rollenspiel, das noch lange seines Gleichen suchen wird: "Dragon Age Origins"




Story

"Die Kirche lehrt uns, dass es der Hochmut der Menschen war, der die Dunkle Brut in unsere Welt brachte. Die Magier wollten den Himmel an sich reißen, doch sie haben ihn vernichtet. Sie wurden verbannt und durch ihre eigene Verderbtheit verflucht. Sie kehrten als Monster zurück, als die ersten der Dunklen Brut. Als Verderbnis fielen sie über die Länder her, unaufhaltsam und unerbittlich. Als erstes fielen die Königreiche der Zwerge und aus den Tiefen Wegen griff uns die Dunkle Brut immer und immer wieder an, bis wir kurz vor der Auslöschung standen. Dann kamen die Grauen Wächter.

 

Männer und Frauen aller Rassen, Krieger und Magier, Barbaren und Könige, die Grauen Wächter opferten alles um dem vorrückenden Dunkel Einhalt zu gebieten – und siegten.

Dieser Sieg liegt Jahrhunderte zurück und wir stehen weiterhin Wache, beobachtend und auf die Rückkehr der Dunklen Brut wartend. Doch die, die uns einst Helden nannten, haben vergessen.

Wir sind nur noch wenige und unsere Warnungen wurden zu lange ignoriert. Nun ist es vielleicht schon zu spät. Denn ich habe selbst gesehen, was am Horizont lauert, Erbauer, steh uns bei..."

Mit diesen Worten von Duncan, einem der letzten der Grauen Wächter, wird man in der Welt von "Dragon Age Origins" begrüßt. Direkt bevor Du entscheidest, wie Deine Geschichte beginnt. Das Spiel bietet nämlich insgesamt 6 unterschiedliche Einstiege. So ist es möglich, als adeliger Mensch oder Bettler, als wohlhabender Zwerg oder aber als bettelnder Elf einzusteigen. Je nachdem, wie man sich entscheidet, folgt ein anderer Spielbeginn in einem anderen Bereich der Welt, aus anderen gesellschaftlichen Verhältnissen, mit einer anderen Geschichte. Doch ganz gleich, welche Entscheidung auch getroffen wird, die Bestimmung eines Jeden ist die gleiche – Du wirst ein Grauer Wächter und wirst über den Ausgang des Krieges gegen die Dunkle Brut entscheiden.

 

Grafik

Nimmt man "Dragon Age Origins" und misst es an seinen grafischen Leistungen, so wird es wohl nicht den ersten Platz in der Kategorie "Schönste Grafik", "Anspruchsvollste Grafik" oder Detailreichstes Spiel" erlangen. Um es anders auszudrücken, wenn es dem Spiel an etwas fehlt, dann ist es definitiv die Grafische Darstellung. Hier hätte man noch einiges rausholen können, um das Spiel noch anspruchsvoller zu machen. So sind einige der Texturen recht platt ausgefallen, Landschaften sind eher spärlich bewachsen und auch den Charakteren hätten einige Details mehr gut getan. Doch, auch wenn mehr grafische Details hätten enthalten sein sollen, fällt die Grafik im positiven Sinne auf und ist durchaus ansehnlich. Davon abgesehen, wäre "Dragon Age Origins" grafisch auf der gleichen ebene wie spielerisch, so wäre das Spiel wohl zu gut um wahr zu sein.

 

Sound

"Dragon Age Origins" beinhaltet, wie es sich für ein Rollenspiel-Epos gehört, wunderbare Musik. Komponiert wurde diese von Inon Zur, welcher auch bereits für Baldurs Gate 2 und Fallout 3 Notenblätter gewälzt hat. So ertönt bereits beim Aufrufen des CD-Menüs eine musikalisch melodisch hinterlegte Frauenstimme, die direkt unter die Haut geht und Fantasy-RPG-Feeling versprüht. Auch während des Spiels ist man so stehts begleitet von zur Situation passender atmosphärischer Musik, die das Spielvergnügen noch weiter aufleben lässt.

Was besonders auffällt bei "Dragon Age Origins", sind die deutschen Synchronsprecher. Diese haben ihren Job außerordentlich gut gemeistert und bringen die sehr interessant gestalteten Unterhaltungen überzeugend und spannend rüber. Hinzu kommt, dass die Lippenbewegungen der Spielfiguren extrem gut an die deutsche Sprache angepasst wurden, sodass sich ihre Gespräche schon fast von den Lippen ablesen lassen.

 

Features

Noch bei der Installation fällt das Spiel positiv auf, so wird nach keinem Serialschlüssel gefragt und auch eine Onlineregistrierung ist nicht von Nöten. Jedoch steht es dem Spieler frei, seine Erfolge im Spiel online darzustellen oder mögliches Zusatzmaterial wie z.B. Bonusquests herunterzuladen, welches bei einigen Kaufversionen mit enthalten ist. Dies erfordert allerdings beides die Registrierung bei Electronic Arts.

Was "Dragon Age Origins" wohl am meisten auszeichnet, ist die Komplexität, die Vielfalt die dem Spieler geboten wird, beginnend schon bei den 6 unterschiedlichen möglichen Einstiegen in die Geschichte. Auch die Charaktergestaltung ist völlig individuell, sowohl äußerlich, als auch moralisch. Direkt zu Beginn kann der Charakter äußerlich genauestens an die Wünsche des Spielers angepasst werden, inklusive Nasengröße, Haarfarbe und Tattoo, ähnlich wie bei "Oblivion".

Weiter gehts mit der Spezialisierung im Kampf. Hier besteht je nach Rasse, ob Zwerg, Mensch oder Elf, die Wahl zwischen den Klassen Krieger, Magier und Schurke. Während man von klassischen Rollenspielen die Attributsgruppen Stärke, Geschick und Magie erwartet, hat man bei "Dragon Age Origins" gleich 6 unterschiedliche, die alle auf ihre Weise wichtig sind: Stärke, Geschicklichkeit, Willenskraft, Magie, Klugheit und Konstitution.

 

Moralsystem

Betritt man nun die Spielwelt, hat man absolute moralische Freiheit, sowohl beim Lösen der Quests, als auch innerhalb der Abenteurergruppe (unser/unsere Held/Heldin ist nämlich nicht allein unterwegs). Dem Spieler steht es so z.B. frei, benötigte Informationen von einer bestimmten Person zu bekommen, indem er diese verprügelt oder sie alternativ von seinen guten Absichten überzeugt. Er kann einen Gefangengenommenen töten, freilassen oder in seine Gruppe aufnehmen - doch jedes mal, wenn eine Entscheidung getroffen wird, äußern auch die Gruppenmitglieder ihre Meinung dazu. Innerhalb der Gruppe gibt es nämlich ebenfalls ein Moralsystem. So hat jedes Mitglied seine eigene Einstellung gegenüber anderen Mitgliedern und ganz besonders dem Hauptcharakter und dessen Entscheidungen. Fasst man also beispielsweise den Entschluss, dass ein gefangener Sträfling freigelassen statt ermordet wird, so ist es gut möglich, dass das einem Deiner Freunde nich sonderlich passt  und man einen Teil seiner Zuneigung verliert. Im schlimmsten Fall verlässt so irgendwann ein Mitglied die Gruppe, im besten Fall bekommt es hilfreiche Boni auf Attribute und Fähigkeiten. Das Moralsystem innerhalb der Gruppe und die liebevoll gestalteten Persönlichkeiten ihrer Mitglieder, sorgen zudem immer wieder für Schmunzeln, während man die Umgebung erkundet. So fangen diese plötzlich unerwartet an sich untereinander zu unterhalten, ob über einen Dritten der Gruppe oder grade Geschehenes oder über grundsätzliche Knackpunkte ihres derzeitigen Verhältnisses – und das kann bei sarkastischen und gewitzten Gruppenmitgliedern durchaus mal dazu führen, dass man den aktuellen Quest beiseite Schiebt und sich vergnügt der amüsanten Unterhaltung zuwendet.

In der Welt von "Dragon Age Origins" gibt es einiges zu entdecken. Der Spieler bekommt wirklich viele Eindrücke und ihm werden zahlreiche Geschichten erzählt, die durchaus unterhaltsam sind und ein weiteres Mal die Vielfalt und Größe des Spiels bestätigen. Im Kodex des Charaktertagebuchs werden somit sämtliche Informationen zu Gegenständen, Mythen und Sagen, Gruppenmitgliedern, Quests und vielen mehr festgehalten und stehen jederzeit bereit, gelesen zu werden. Allein das Lesen dieser ganzen Einträge nimmt jede Menge Zeit in Anspruch, welche man sich allerdings gerne nimmt, um ein wenig Hintergrundwissen zu erlangen.

 

Gameplay

Das eigentliche Gameplay des Spiels erweist sich zunächst als sehr anspruchsvoll. Da die Gruppe die größte Zeit über aus vier Mitgliedern besteht, gilt es diese, im Falle des Kampfes, strategisch klug und vor allem wohlbehalten durch das Kriegsgeschehen zu steuern, da sie sonst einschränkende Verletzungen davontragen, sofern sie den Kampf überleben. Da es ziemlich aufwändig ist, vier Charaktere gleichzeitig zu befehligen, welche zudem über zahlreiche Fähigkeiten und Talente verfügen, der Kampfablauf schnell vonstatten geht und davon abgesehn teilweise wirklich schwierig zu meistern ist, gibt es die großartige Möglichkeit, das Spiel jederzeit mittels Leertaste zu pausieren, um sich einen Überblick der Situation zu verschaffen. Außerdem bietet die Pause die Möglichkeit, den Mitgliedern Befehle zu erteilen, die dann umgehend nach der Pause ausgeführt werden. Da es aber trotz Pausenfunktion mal brenzlig werden kann, besteht die Möglichkeit, das Kampfverhalten für jedes einzelne Mitglied im Taktikmenü voreinzustellen.

Hat man sich mit diesem Taktikbildschirm und der strategischen Eigenart von "Dragon Age Origins" erst einmal vertraut gemacht, dürfte es keine Schwierigkeiten geben, die Schlachten zu gewinnen, auch wenn es sich zuweilen als äußerst schwierig erweist.

 

Fazit

Packend, fesselnd, sehr komplex und ansehnlich zugleich: Das sind die vier Haupteigenschaften eines Spiels, das so durchdacht ist, wie man wohl schon lange keinem mehr begegnet ist, wenn überhaupt. "Dragon Age Origins" ist ein absolutes Muss für all jene, die Rollenspiele, Fantasy und großartige Geschichten lieben. Absolute Kaufempfehlung.


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